Andreas Steindl in Drago’s Podcast

Andreas Steindl in Dragos Podcast - Was ändert das neue Waffengesetz?
By Published On: 21. August 2026

“Ich bin davon überzeugt, dass der Waffenbesitz in Österreich mehrheitstauglich ist.
Ein großer Teil der Österreicher hat kein Problem mit Legalwaffenbesitz in der Zivilbevölkerung.”

In Drago’s Podcast hat Andreas Steindl, Geschäftsführer von Edelweiss Adventure, viele Aspekte des zivilen Waffenbesitzes, Schießausbildung und gesellschaftspolitischen Kontext angesprochen. Dazu noch spannende und skurrile Einblicke ins Thema Waffen und was man als Schießplatz-Betreiber erlebt.

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Andreas Steindl war zu Gast in „Drago’s Podcast“ bei Drago Dimitrijevic.

Drago’s Podcast ist ein Forum, das Menschen aus den verschiedensten Bereichen von Kunst, Kultur, Sport bis hin zu Politik, Wissenschaft zusammenbringt. Hier werden unterschiedliche Ansichten gehört, mutige Überzeugungen geteilt und Geschichten erzählt, um Vielschichtigkeit in der Welt zu beleuchten, Perspektiven zu hinterfragen und wahre Verständigung zu fördern.

Drago führt die Produktionsfirma ARTE ET MARTE e.U., ist Podcaster und auch Schauspieler tätig. Privat ist er zudem Kampfsportler, Motorradfahrer und Schütze mit Pistole und Gewehr.

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Den Podcast von Drago mit Andreas Steindl findest du auf verschiedenen Plattformen:

Das Podcast Interview

Folgend findest du das verschriftlichte Podcast Interview. Es ist für die Website sprachlich geglättet (Mensch und KI haben geholfen) und stellenweise gekürzt worden. Zeitstempel helfen dir jede Stelle im gesprochenen Interview zu finden.

1 Werdegang und berufliche Anfänge

(00:06) Drago: Schön, dass du hier bist. Jeder bekommt ein Intro: Andreas Steindl, Unternehmer und Gründer von Edelweiss Adventure, einem Kompetenzzentrum für Schießausbildung, Selbstschutz und Krisenvorsorge. Erzähl mir bitte etwas über deinen persönlichen Werdegang.

(00:35) Andreas: Ursprünglich bin ich Flugtechniker. Technik hat mich immer fasziniert. Als Sohn eines Arztes und einer koreanischen Krankenschwester bin ich sehr interkulturell aufgewachsen und viel gereist. Ich habe Betriebswirtschaft studiert und meine Faszination für den Außenhandel entdeckt. Ich war rasch im technischen Industrievertrieb tätig und bekam schließlich die Gelegenheit, in die Wehrtechnik zu wechseln – andere würden Verteidigungsindustrie oder Rüstung dazu sagen. Bei der Firma Glock durfte ich von Herrn Glock und Herrn Hirscheiter das Wehrtechnikgeschäft von der Pike auf lernen und habe viel Vertrauen erhalten. Nach mehr als 20 Jahren in der Branche habe ich mit Edelweiss Adventure einen selbstständigen Weg eingeschlagen.

(03:01) Drago: Gehen wir noch einmal zu Glock zurück: Was war dort deine Funktion und wie sah dein Alltag aus?

Andreas: Mein Auftrag lag im technischen Vertrieb. Dadurch war ich weltweit unterwegs und hatte viel Kontakt zu Behördenkunden, weil der Exportanteil entsprechend hoch war. Zur Vertriebstätigkeit kam die Ausbildung hinzu: Die Behörden brauchten nicht nur die Produkte, sondern auch technische Schulungen. So konnte ich über die Waffentechnik auch die Schießausbildung erlernen. Das ist heute auch wesentlicher Inhalt von Edelweiss Adventure am Standort in Sollenau.

[Mehr zur Entstehungsgeschichte von Edelweiss gibt es auf unserer Website “über uns”.]

2 Gründung von Edelweiss Adventure

(04:28)  Drago: Welche Ambition stand hinter der Gründung und was waren die größten Herausforderungen?

Andreas: Der Schritt in die Selbstständigkeit fiel mir nicht schwer. Um 2015 war bereits zu beobachten, dass das Interesse der österreichischen Bevölkerung am Thema Schießausbildung kontinuierlich gestiegen ist. Es gab Vereine und Gruppen, die im Rahmen des Sportschießens Ausbildung gemacht haben. Das Thema habe ich dann aufgegriffen und wollte professionell und mit System gründen. Stark an gelehnt ist Edelweiss an die oben angesprochene Schießausbildung, wobei wir das System in eine zivile Version umgewandelt haben. Das ist mir auch sehr wichtig, dass wir zivile Schießausbildung betreiben und kein exekutives oder militärisches. Wenngleich die Grundideen von dort stamme .

(06:32) Drago: Ich kann mir vorstellen: Man steigt nicht leicht ins Waffengewerbe ein. Was war aus unternehmerischer Sicht die größere Herausforderung: Die behördlichen Vorgaben, die Suche nach einer Schießstätte oder die Erfüllung der Auflagen?

Andreas: Der Bau einer Schießanlage ist nicht besonders komplex, dafür braucht man in Wirklichkeit nur Geld. Die Auflagen sind weitgehend vorgegeben und müssen einfach erfüllt werden. Das ist aufwendig und mit großen Investitionen verbunden, aber machbar. Das Schießen selber ist auch gewerbefrei. Bei uns ist auch ein Waffenhandel angeschlossen. Dafür braucht man sehr wohl ein geregeltes Gewerbe. Das muss man jedoch bloß wie jedes andere anmelden.

(08:50)  Drago: Warum wurde Sollenau als Standort gewählt?

Andreas: Am Standort gab es bereits eine Schießanlage, die im Vereinsrahmen betrieben wurde. Das zweite Argument war, dass in der Region bereits viel Kompetenz zuhause ist. Dort ist einerseits der militärische Schießplatz vom Amt für Rüstung und Wehrtechnik und wir haben im unmittelbaren Umfeld die Schießanlage der Cobra. Sehr viele Hauptquartiere sind im Wiener Neustädter Raum angesiedelt – sowohl militärisch als auch polizeilich. Dadurch kennen sich Behörden auch mit dem Thema Schießanlagen aus. Und andererseits kennen die Menschen, die in der Region leben, das Thema und wir können heute gute Kontakte pflegen. Das bringt nicht nur Kompetenz, sondern auch Spaß.

Drago: Und Austausch.

Andreas: Ja genau.

3 Absurdeste Erfahrungen am Schießplatz

(10:25) Drago: Was war die absurdeste Situation am Schießstand?

Andreas: Prinzipiell ist auch eine Schießstätte für uns ein ganz normaler Arbeitsort. Wie die Baustelle für einen Maurer. Wie auch dort, gibt es auch bei uns gefährliche Momente. Diese würde ich jedoch nicht als absurd bezeichnen. An zwei Ereignisse denke ich jedoch, die vielleicht in diese Kategorie fallen:

(11:39) Die eine hat aber nicht am Schießstand stattgefunden, sondern das war in einem Restaurant im Kosovo. Wir hatten dort Präsentationen bei der Kosovo Police und haben über Sicherungen der Glock-Pistole gesprochen. Unter anderem kann man nicht abziehen, wenn der Verschluss leicht nach hinten geschoben ist, weil dadurch die Steuerfeder entriegelt ist. Aus irgendeinem Grund kommt dieser Polizist darauf das im Restaurant auszuprobieren: Er nimmt seine Glock, drückt mit der Hand auf den Verschluss und schießt sich ein Loch in die Hand. Er hat bei der Manipulation [Handhabung] einen kleinen Fehler gemacht und hat sich dadurch selbst verletzt.

Drago: Oh mein Gott.

Andreas: Also, wenn man das probiert: Bitte nicht zu Hause und nicht mit scharfer Munition.

Dragos Podcast mit Andreas Steindl - Skurile Geschichten vom Schießplatz

(13:00) Und die zweite absurde Situation. Ras al-Khaimah, er hat auch Major Achmed geheißen, aus den Vereinigten Arabischen Emiraten war [bei uns in Sollenau] für eine Schießausbildung zu Gast. Wir haben immer versucht starke Leute ins Training zu bekommen, weil diese wiederum das Gelernte der Ausbildung ihren eigenen Einheiten weitergeben konnten. Und Major Achmed war so überzeugt von seinen Leuten und wollte uns das beweisen, dass er während an der Feuerlinie geschossen wurde vor den Zielscheiben auf und ab ging. Gustavo und ich haben nur gesagt, dass der Typ crazy ist. So ein Training ist extrem unüblich. Sowas gibt’s bei Ausbildungen in verschiedenen Ländern bei Spezialeinheiten, aber da hat man auch schon im Training die entsprechenden Ausfälle. Aber das würde ich sagen fällt auch unter absurd.

Drago: Ja, würde ich sagen. Da zieht sich einem alles ein bisschen zam.

Andreas: Ja, heute würde ich sagen, hat es Unterhaltungswert. Lachen.

Drago: Ja weil am Ende niemand verletzt wurde. Major Ahmed hatte Vertrauen.

Andreas: Damals heftig, heute cool. […]

(15:30) Drago: Kriege, wer würden die gewinnen, wenn nur die Staatsoberhäupter miteinander kämpfen? Und da erinnere ich mich an den König von Jordanien, der das der einzige Staatsoberhaupt ist, der eine Sondereinsatzkommandoausbildung hat. Ein „Warrior King“.

Andreas: Ja, und er pflegt ja auch sehr enge Kontakte zur Cobra. Und Österreich ist eng mit dem Königshaus verbunden. Prinz Faisal habe ich selbst getroffen. Die sind wirklich top ausgebildet und investieren sehr viel in Rüstung. Also ich würde auch auf ihn, wenn nur die Staatsoberhäupter kämpfen. Lachen

Drago: Wir kommen noch zur Sicherheitskultur allgemein, davor würde ich noch gerne anschneiden …

4 Anfängerfehler, Routinen und Ausbildung

(17:05) Drago: Was sind so die häufigsten Anfängerfehler von Schützen?

Andreas: Es kommt drauf an: Wenn jemand Schießen rein als Spaß sieht, dann ist es meist die Handhabung. Ich vergleiche das immer mit einer Kettensäge oder Flex. Da wüsste jeder sofort, dass er aufpassen muss. Wer das nicht versteht, aber eine Pistole oder ein Gewehr in der Hand hat, könnten gefährlich werden. Wenn eine Waffe geladen ist, ist sie im Prinzip wie eine laufende Kettensäge, nur dass sie keinen Ton von sich gibt.

(18:45) Die andere Sache sind Sicherheitsregeln insbesondere bei Anfängern. Denn der Schütze kann noch nicht richtig antizipieren, was gleich passieren wird. Beim Schuss wird viel Energie frei, ein Schreckmoment, den man falsch verarbeiten könnte. Daher halte es für falsch Beginner sofort scharf schießen zu lassen, es ist gut „trocken“* an die Sache heran zu gehen. [*trocken schießen = Handhabungsübung und Abläufe trainieren ohne scharfen Schuss, zB mit einer Rotwaffe.] Also ein Anfängerfehler ist einfach drauf los zu ballern.

(20:25) Wie bei jedem andere Werkzeug muss man sich Routinen angewöhnen. Wenn ich diese Routinen einhalte wird mit großer Wahrscheinlichkeit nichts passieren. (21:22) Darum legen wir großen Wert darauf, dass Routinen [zur Sicherheit] gemacht werden. Das ist, wenn man neu zu uns kommt, evtl. ein bisschen komisch. Aber Routinen erhöhen die Chance auch in stressiger und unübersichtlicher Situationen noch dasselbe [richtige] zu tun.

(22:09) Drago: Wie war das? Es gibt wilde Piloten und es gibt alte Piloten, aber es gibt keine wilden alten Piloten, wenn du verstehst, was ich meine.

Andreas: Ja. Bei uns ist die Schießausbildung eher ein Losers Game: Wer am wenigsten Fehler macht, der gewinnt in der Schießausbildung. Stell dir mal vor es steht der Pilot beim Flugzeugeingang und begrüßt dich: “Welcome Drago, Have a nice Flight.” Oder würdest du, wenn du könntest, eher einen Piloten wählen, bei dem du weißt, der setzt sich ins Cockpit und arbeitet seine Checkliste ab? Und das machen wir auch. Wir schauen, dass wir routinemäßig unser Ding machen, und da kann man genug Spaß dabei haben.

Drago: Glaub ich und unterschreib ich.

(24:30)  Drago: Und was ist ein Fehler, zB Besitz, Handhabung, schlechte Pflege, den Waffenbesitzer machen? Also was ist die häufigste Anfrage, die man als Schießausbilder hat?

Andreas: Also, ich muss sagen, bei der Schießtechnik sind es hauptsächlich Abzugsfehler. Viele Schützen – Anfänger – haben einen leichten Abzugsfehler, wissen aber aufgrund der Trefferbildanalyse nicht was sie machen. Das ist meist relativ leicht zu lösen, denn sobald du weißt was du machst kannst du gegensteuern. Bei den Fortgeschrittenen ist es so, dass die oft ein bisschen zu viel wollen. Und wenn ich zu schnell zu viel will, dann geht das schwer. Die Steigerung von null auf ein gutes Niveau, das geht mit Training relativ schnell. Und dann wird die Kurve immer flacher.

Bei der Technik – alle Waffen sind heutzutage technisch sehr gut. Probleme ergeben sich, wenn die Leute zum herum-tunen an der Waffe oder dem System anfangen. Dann wird oft mehr kaputt, als es zweckdienlich ist.

(26:31)  Drago: Mein Trefferbild lag jahrelang links unten. Da könnte ich ansetzen. Anders auch, für mich gilt immer zuerst müssen die Grundlagen mit Kimme und Korn sitzen, danach kann man mit Rotpunktvisier arbeiten. Also die Basics bevor ich etwas anderes lerne, war mein Grundgedanke.

Andreas: Ja genau. Man muss sein System kennenlernen, wie das funktioniert und zusammenspielt, habt der Schütze eine bessere Ausgangslage.

Was den Abzugsfehler betrifft – ich erkläre es den Leuten immer so: „Du komm her“ [Andi macht eine passende Fingerbewegung]. Da arbeiten wir nur aus der Hand, nicht aus dem Unterarm. Wir brauchen eigentlich keine Muskeln.

(28:02)  Drago: Ich habe dazu auch versucht meinen Daumen miteinzubeziehen. Es gibt ja verbundene Muskel in der Hand, wenn man den Abzugsfinger betätigt bewegt sich der Daumen auch ein bisschen mit. Da habe ich ein wenig gedehnt, um das besser zu kontrollieren.

Andreas: Ist der Daumen oben, werden wir dich loben. Lachen

(28:34)  Drago: Aber das schwere ist ja das Pistole schießen, nicht das Gewehr.

Andreas: Sage ich auch: Die Pistole ist der König unter den Waffen. Weil wenn man mit der Pistole gut schießen kann, kann man mit allem gut schießen. Mit Pistole ist es am schwersten. Mit einem Gewehr muss man natürlich die Technik verstehen, aber es gibt Erleichterungen, wie Optik, Zweibein, etc. und die Pistole hat das von Haus aus alles nicht.

5 Amoklauf, Waffengesetz

(29:28)  Drago: Wir hatten in Österreich dieses Tragödie mit dem Amoklauf [in Graz]. Infolgedessen hat die Politik wieder angefangen zu diskutieren und hat ein neues Waffengesetz bestimmt. Nach dem Amoklauf kam heraus, dass der jungen Täter bereits in der Musterung für psychisch untauglich erklärt wurde. Später hat er regulär eine Waffenbesitzkarte beantragt und bekommen. Hätte man Datenaustausch gehabt, wäre diese Information herausgekommen. Es wurde daraufhin eben das Waffenrecht verschärft. Edelweiss Adventure und andere Interessenvertretungen haben dazu Stellungnahmen verfasst. Grundlegend würde ich dich bitten mir die wichtigsten Argumente kurz zu nennen.

(32:05)  Andreas: Wir haben uns als Unternehmen und als Mitglied verschiedener Interessenvertretungen, z.B. ARGE Zivile Sicherheit, mit den geplanten Änderungen beschäftigt. Zum Vorfall [Amoklauf] selber kenne ich die Details nicht, nur das was in den Medien veröffentlicht wurde. Die Politik hat als eine Maßnahme das Waffengesetz verschärft. Und da muss ich schon sagen: Es gab viele gute Leute in Österreich, die argumentiert haben das nicht so wie es jetzt passiert ist umzusetzen – Juristen, Leute von Interessenvertretungen, Waffenhandel, Wirtschaftskammer etc. Wir alle verurteilen das Ereignis natürlich. Aber man kann andererseits nicht legale Waffenbesitzer – wir sagen die waffenrelevante Community – dafür verantwortlich machen. Wir [von Edelweiss] haben uns auch dafür entschieden Stellungnahmen zu schreiben: Eine zum Waffengesetz (WaffG) und eine zweite zur Durchführungsverordnung (WaffV), die auch seit Ende April 2026 in Kraft ist.

(34:00) Unsere Argumentation ist auch: Hätte es den behördliche Datenaustausch gegeben, wäre die Wahrscheinlichkeit deutlich höher gewesen, dass man den Attentäter [von Graz] schon früher identifiziert hätte.

(34:14)  Das aktuelle Waffengesetz sieht meiner Meinung nach ein paar Dinge vor, die nicht wirklich eine Steigerung der Sicherheit bewirken. Um das einzuordnen: Legalwaffenbesitzer zähle ich zu den bravsten und treuesten Bürgern überhaupt. Ich habe tagtäglich mit legalen Waffenbesitzern zu tun, die aus allen Gesellschaftsschichten kommen: Unternehmer, Polizisten, Angestellte, Arbeiter, Bauern, Männer, Frauen. Komplett durchgemischt und alles ganz normale Leute wie du und ich. Was sie alle tunlichst vermeiden ist irgendeinen Blödsinn zu machen. Dabei rede ich nicht von „mit der Waffe“, sondern überhaupt ein Blödsinn: Etwa zu schnell mit dem Auto zu fahren, Alkohol am Steuer, sich in irgendeine Prügelei verwickeln zu lassen oder sonst was. Das ist undenkbar für diese Leute, weil sie genau wissen, dass sie eine hohe Verantwortung tragen und die ist mit entsprechenden Konsequenzen verbunden [Wird an der prinzipiellen Verlässlichkeit eines Waffenbesitzers gezweifelt, können die Waffenbesitzkarte und Waffe(n) entzogen werden.] Dort ordne ich den Legalwaffenbesitzer ein.

(36:25) Das neue Waffengesetz, das sieht eben vor, dass man mindestens 25 Jahre alt ist, bevor ich an den Waffenbesitz denken kann. Es gibt jedoch Ausnahmen. Zudem ist das psychologische Gutachten verschärft wurden. Wobei ich dazu sagen muss, dass wir die Auskunft von einigen Psychologen haben, dass diejenigen, die das Gutachten nach früheren Vorgaben bestanden hätten, das neue auch schaffen können. Die Grundstruktur hat sich nicht verändert, das Verfahren wurde vor allem aufwendiger und teurer. Dadurch wurde letztlich nur der Zugang zu Waffen erschwert.

(38:00)  Drago: Das habe ich jetzt noch nicht herausgehört: Wurde mit dem neuen Gesetz auch der Datenaustausch verbessert?

Andreas: Wie das mit dem Datenaustausch im Detail aussieht kann ich nicht beurteilen. Der männliche österreichische Staatsbürger muss beim Antrag einer Waffenbesitzkarte jedoch seine Tauglichkeit nachweisen. Die weibliche österreichische Staatsbürgerin muss das nicht. Ich lass das einfach mal so stehen und wirken. Die Tauglichkeit nachweisen kann man zum Beispiel durch das Wehrdienstbuch, den Bescheid der Stellungskommission oder Bescheid zum Zivildienst. Übrigens alles mit der ID Austria auch selber relativ leicht online abzurufen. Die Behörde übermittelt das dann dem Psychologen. Dafür muss ich [als Antragssteller] auch wissen welcher Psychologe akkreditiert ist und das waffenpsychologische Gutachten machen darf. Der Psychologe erhält jedenfalls die Information, ob der Antragsteller bei der Stellung als tauglich oder untauglich beurteilt wurde. Wenn ich untauglich war, wird nachgeprüft, ob das aus psychologischen oder aus physischen Gründen war, z.B. ein verletztes Knie zu dem Zeitpunkt. Also dieser Datenaustausch findet jetzt statt. Nicht hineinfallen tun alle österreichischen Frauen und ausländische Männer. Und die Jäger. Im Rahmen des Gleichheitsgrundsatzes ist das eben ein Punkt, den keiner [der oben angesprochenen Beteiligten aus der waffenrelevanten Community] versteht.

(40:34)  Drago: Welche Konstellation an Parteien hat diese Verschärfung vorangetrieben?

Andreas: Soweit ich das beobachten konnte, die Regierungsparteien. Einblicke wie das innerhalb der Koalition verhandelt wurde habe ich natürlich keine. Ich habe mir die Verhandlung sogar in der Plenarsitzung persönlich gegeben. Also, ich war im Parlament, wie das durch durchgeboxt wurde. Was für mich letztendlich ernüchternd war ist die Tatsache, dass trotz der vielen Stellungnahmen, nicht nur von uns sondern kompetenten Fachexperten und auch von Psychologen, kein einziger Punkt verändert wurde. Auch nicht im Sinne dessen, dass die Regelungen praktikabel sind oder einen Sicherheitsgewinn bringen.

(41:50) Und ich stelle die Behauptung auf, dass viele Aspekte, die jetzt im neuen Waffengesetz sind, keinen Sicherheitsgewinn bringen. Insbesondere, wenn ich das auf so ein schreckliches Ereignis wie [den Amoklauf von] Graz ummünze.

Der Datenaustausch wurde ja vor einigen Jahren aufgrund des Datenschutzgesetzes unterbrochen, ist jetzt aber wieder im Waffengesetz vorgesehen. Da traue ich mich vorsichtig behaupten, dass das unter Umständen einen Sicherheitsgewinn bringt.

(42:55) Zum waffenpsychologischen Gutachten noch. Man könnte behaupten, dass das psychologische Gutachten jetzt teurer worden, weil die Psychologen es gescheit gemacht haben und jetzt mehr Geld verdienen. Das ist aber nicht so. Für die Psychologen hat sich die Situation – auch kaufmännisch – verschlechtert, weil das Gutachten komplexer und damit aufwendiger geworden ist. Zum Beispiel dürfen Sammelbegutachtungen in der Gruppe, wie sie auch bei der Polizei oder beim Militär üblich ist, nicht mehr gemacht werden. Das hießt der Psychologe muss aufgrund der neuen organisatorischen Auflagen relativ viel Zeit investieren. Die Psychologen, mit denen wir da in Kontakt sind, haben kein Interesse an der neuen Durchführung. Sie sehen auch ihrerseits keinen wesentlichen Sicherheitsgewinn, weil sie selber ja [die Verlässlichkeit eines Menschen] nicht 100% sicherstellen können. Was noch dazu kommt ist wie die Ergebnisse übermittelt werden müssen. Früher haben Ansuchende, wie wir zwei, nur die Information “bestanden” oder “nicht bestanden” erhalten. Die genau genaue Analyse aus dem Anamnesegespräch wurde nicht mitgeteilt. Die werden jetzt dem Probanden aber übergeben. Das heißt jetzt gibt es einen Lerneffekt. Was ich auch noch sagen will: Beim psychologischen Gutachten durchzufallen ist vielleicht peinlich, aber auch nichts Wildes. Es ist eine Momentaufnahme. Ich habe eine Freundin, die selbst Psychologin ist. Sie war auch untauglich, weil sie eine eingetragene Diagnose hatte, da sie aufgrund einer Scheidung eine Zeit lang Schlafmittle genutzt hat. Das lag Jahre zurück, aber in den medizinischen Unterlagen war es noch eingetragen. Sie musste diese Diagnose löschen lassen, damit war sie wieder “geheilt” und ist darauf hin beim Gutachten wieder positiv gewesen.

(47:27) Drago: Wir beim psychologischen Gutachten wissen wir, dass es neue Altersbeschränkungen gibt, der Test etwas komplexer gestaltet und teurer ist. Ich glaube auch, es gab davor nie einen Amoklauf in Österreich, der mit einer legalen Waffen durchgeführt wurde.

Andreas: Ich bin nicht so gut informiert was Statistiken betrifft, aber ich gehe von einer verschwindend kleinen Zahl aus. Was hinzukommt: So furchtbar ein Attentat mit einer Schusswaffe ist, es wird medial sehr spektakulär und stark verarbeitet und die pauschale Verbindung zu legale Waffenbesitzer, die ihre Waffen zur Jagd, zum Sport, als Hobby oder zur Selbstverteidigung besitzen, ist problematisch.

Nachträglich zum Podcast noch ein paar Informationen und Statistiken zu Delikten mit Waffen:

Drago's Podcast: Recherche Waffengewalt. Hier: Delikte in Ö 2025 nach Deliktgruppen (Quelle: Statistik Austria)

Quelle des Screenshots: Statistik Austria (2026): Verurteilungs- und Wiederverurteilungsstatistik 2025, https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/kriminalitaet-und-sicherheit/verurteilungs-und-wiederverurteilungsstatistik 

Die Anzahl der Vergehen nach dem Waffengesetz sind, wie die Statistik Austria zeigt, sehr gering.

Folgend zeigt sich, dass Gewalttaten mit Schusswaffen im Vergleichszeitraum von 2014 bis 2024 deutlich rückläufig sind – das heißt bereits vor der Waffengesetz-Änderung. Zudem ist die Schusswaffe quantitativ nicht die “gefährlichste” Waffe. Deutlich mehr Gewalttaten wurden mit Stichwaffen verübt.

Zu beachten ist bei den folgenden Statistiken, dass es sich um angezeigte Delikte handelt. Ob die Anzeige weiter verfolgt wurde, der Ausgang einer Gerichtsverhandlung sowie Dunkelziffern sind nicht abgebildet.

Drago's Podcast: Statistik Waffengewalt: Anzahl Gewalttaten mit Stichwaffen 2014-2024

Quelle des Screenshots: Statistica (2026): Anzahl der angezeigten Gewalttaten mit Stichwaffen in Österreich von 2014 bis 2024, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1558305/umfrage/gewalttaten-mit-stichwaffen-in-oesterreich/

Drago's Podcast: Statistik Waffengewalt: Anzahl Gewalttaten mit Schusswaffen 2014-2024

Quelle des Screenshots: Statistica (2026): Anzahl der angezeigten Gewalttaten mit Schusswaffen in Österreich von 2014 bis 2024, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1559694/umfrage/gewalttaten-mit-schusswaffen-in-oesterreich/

Dieses Bild bestätigt auch die kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik des Kriminalitätsberichts 2025. Der Anteil von Schusswaffen bei Gewaltdelikten ist der geringste unter Stich-, Hieb- und Schusswaffen:

Drago's Podcast: Statistiken Waffengewalt: BMI Kriminalitätsbericht 2025_ Tatmittel bei Gewaltdelikten

Quelle des Screenshots: Bundesministerium für Inneres (BMI), Bundeskriminalamt (2026): Kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik. Kriminalitätsbericht 2025. Entwicklung der Kriminalität in Österreich, www.bundeskriminalamt.at/501/files/kriminalpolizeiliche_anzeigenstatistik_2025_bf.pdf, S. 47

Gefühlt ist auch die Angst oft groß Opfer eines Mordes durch die Schusswaffe zu werden. Hier zeigt sich, dass öfter als “kein Tatmittel” als entweder Schuss-, Stich-, oder Hiebwaffe verwendet wird (BMI 2026, S. 62). Zudem gibt es bei Mord zu 70,7% ein Bekanntschaftsverhältnis (BMI 2026, S. 61).

Drago's Podcast: Statistiken Waffengewalt: BMI Kriminalitätsbericht 2025_ Tatmittel bei vollendetem Mord

Quelle des Screenshots: Bundesministerium für Inneres (BMI), Bundeskriminalamt (2026): Kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik. Kriminalitätsbericht 2025. Entwicklung der Kriminalität in Österreich, www.bundeskriminalamt.at/501/files/kriminalpolizeiliche_anzeigenstatistik_2025_bf.pdf, S. 62

Insgesamt hält der Kriminalitätsbericht für 2025 eine insgesamt stabile Sicherheitslage in Österreich fest. Gewalt in der Privatsphäre, Raub oder Einbrüche gehen zurück (BMI 2026, S. 4). Dies hält auch Andreas auch noch später im Podcast Interview fest: Wir leben in einer sicheren Umgebung. “Wir brauchen uns nicht vor Einbrüchen fürchten” (Stelle im Podcast 1:10:50), “Ich glaube, dass wir in einem sehr sicheren Land sind.” (2:33:15)

PS: Obwohl das Verhältnis von Verbrechen mit legalen gegenüber illegalen Waffen viel besprochen ist, finden sich dazu keine seriösen Quellen. Es gibt Zeitungsberichte, deren Quellen lassen sich jedoch wiederum nicht verifizieren. Daher bleibt die Frage an dieser Stelle bewusst unbeantwortet.

(49:00)  Drago: Ja, ein mündiger Bürger in meinen Augen erkennt seine Verantwortung und soll frei entscheiden können, ob er eine Waffe besitzen möchte oder nicht. Wenn er tauglich ist. In welchem Fall sollte jemand keine Waffe bekommen?

Andreas: Das steht auch im Gesetz: Nämlich unverlässliche Leute. Genau diese Verlässlichkeit wird im psychologischen Gutachten überprüft. Wenn jemand ständig davon spricht jemandem Gewalt anzutun, dann ist das unverlässlich. Wenn jemand mehrfach betrunken Auto fährt, dann ist das unverlässlich. Wenn jemand zu Hause Munition herumkugeln lässt und Kinder damit oder mit Waffen spielen lässt, dann ist das unverlässlich. Wenn jemand an der Supermarktkasse in der Schlange steht und einen Zuckaus kriegt [= aggressiv wird], dann sollte dieser Mensch keine Schusswaffe haben. Der sollte aber auch keine Armbrust oder Pfeil und Bogen haben.

(50:50)  Drago: Versteh ich voll und ganz: Wenn du jemand bist, der leicht provoziert oder getriggert ist oder Choleriker bist, dann bist du nicht stabil genug für eine Waffe. Was du vorher auch gesagt hast, Waffenbesitzer sind für dich die präventivste Gruppe. Eine Frage auch immer: Kann Waffenbesitz disziplinierend wirken? Insofern, ja, wenn die Leute wissen: „Hey, ich bin Waffenbesitzer, ich habe eine Verantwortung. Ich kann mich nicht prügeln, bedrohen oder zu schnell fahren.” Richtig? Also ich glaube, dass die Leute schon eine hohe Verantwortung anerkennen.

(51:40)  Andreas: Also die Waffenbesitzern, die wir kennen, bei denen schwingt [diese Verantwortung] ständig im Hinterkopf. Die wissen, dass der Staat ihnen mit dem Recht eine Waffe zu besitzen vertraut. Dieses Vertrauen vertrauen zu hintergehen wird zumindest die Konsequenzen haben, dass die Waffen abgenommen werden [Waffenverbot]. Also die Polizei, mit dem Gewaltmonopol, hat die Möglichkeit mir die Waffen wegzunehmen, wenn ich nicht verlässlich bin.

(52:44)  Drago: Gilt ein Waffenverbot lebenslang oder kann man später eine Aufhebung beantragen?

Andreas: Die Aufhebung kann beantragt werden. Die Entscheidung hängt vom Anlass des Verbots und von der weiteren Entwicklung des Betroffenen ab. Aber ja, man ein Waffenverbot wieder aufheben lassen. Das ist aber nicht ganz einfach.

Drago: Was passiert mit abgenommenen Waffen? Werden die in der Zwischenzeit bei der Polizei gelagert?

Andreas: Richtig. Man kann sie jemanden überlassen, der eine Bewilligung hat oder sie werden bei der Behörde verwahrt.

6 Guntalk, Waffengelaber

Dragos Podcast Thumbnail für den Guntalk

6.1 Welche ist die beste Marke?

(53:20) Andreas: Es gibt Leute, die sagen Oberland ist so ein Mist, jetzt habe ich es verkauft und hab mir ein Schmeisser kauft, das ist super. Der nächste sagt, ich habe eine Hera gehabt, jetzt habe ich mir eine Oberland kauft und die ist super. Jeder hat eigene Vorlieben. Für mich gilt: AR15, welches ist mir egal.

Drago: Ich hatte diese drei Marken und habe mir am Ende einen Daniel Defense geholt.

Andreas: Ja, das ist auch eine super Marke. Und wenn jemand sagt es gibt ein schlechtes Gewehr, dann antworte ich [im Scherz] immer nur: „Okay, stell dich mal da vorne hin, ich schieße damit, dann schauen wir mal wie scheiße das wirklich ist.“ Und dann sagt irgendwie eh immer jeder: „Okay, ist vielleicht nicht so schlecht.“ Also alles schießt. Beide lachen.

6.2     Lehrmeinung

(54:50) Andreas: Eine Lehrmeinung bedeutet gar nichts. Sie ist nur für eines da, nämlich als Leitfaden für Schießtrainer wie Dinge in der Schießausbildung vorzeigt werden. Für Anfänger auf der Anlernstufe braucht man eine Lehrmeinung. Dann kommt das Training, das ist die Adaption, und das ist das viel Wichtigere.

Um auf dein Beispiel [aus unserem Gespräch vor der Podcast-Aufzeichnung] zurückzukommen. Ich weiß, dass all deine genannten Dinge zu 100% gültig sind. Aber ich weiß auch, dass sie in anderen Fällen ein Hindernis sind. Es geht nicht darum zu beweisen, dass dein Griff schlecht ist, sondern darum dir aufzuzeigen was du in anderen Situation mit deinem Griff machst. Da wäre ein schräger oder gar kein Griff von Vorteil. Ich zum Beispiel hatte lange gar keinen, jetzt habe ich wieder einen schrägen Griff. Aber so taugt [= gefällt] es mir auch wieder nicht. Also egal wie man es macht, es ist falsch. Lachen. Also immer übers Szenario nachdenken: Wie passe ich mich an? Wie kann ich mein System anpassen?

Du hast 14er halber [Gewehr mit 14,5 Zoll Lauflänge]?

Drago: Ja, richtig.

Andreas: Das ist ein bisschen länger. Aber du bist recht groß. Also mit deinem Körperbau ist es nicht so, dass die Waffe gleich in der Erde steckt, wenn du abkniest. Aber wenn ich dann nochmal 4 Zoll wegnehme, bist du noch einmal kompakter. Aber dafür kannst auf die höheren Distanzen nicht mehr so gut wirken.

6.3     Bullpup

(57:15) Andreas: Der große Vorteil eines Bullpub Systems ist, dass es kompakt sind, es fühlt sich leichter an, weil es weit am Körperschwerpunkt liegt und es ist deswegen ein bisschen leichter zu handhaben. Aber von der Technik und Handhabung sind deutlich komplizierter: Auswurffenster, Schulterwechsel. Man muss unbedingt so schießen, dass die Hülse [vor dem Gesicht] vorbeifliegt. Sonst führt ein kleiner Fehler dazu, dass ich die Hülse fress’ [= dass die Hülse ins Gesicht ausgeworfen wird]. Also man braucht eher einen Hülsenabweiser. Es geht wieder ums Training. Ich muss wissen, wie die Maschine tut, damit ich mich vor nichts fürchten muss. Aber stell dir vor ein Anfänger, er ist Linkshänder und wird darauf nicht eingewiesen. Der nimmt sich ein AUG, stellt sich hin und schießt mit links. Der denkt nicht dran, dass da [beim Gesicht] jetzt das Auswurffenster ist. Er verletzt sich, hat wahrscheinlich einen Schnitt oder Verbrennung. Für den ist der Schießsport schon gestorben und das ist schade.

Drago: Oh nein. Ja, das ist schade.

Andreas: Wenn aber jemand dabei ist und sagt: „Du musst aufpassen. Da ist das Auswurffenster, da fliegen die Hülsen raus.“ Dann schießt man mit dem [Linkshänder] vielleicht mit den anderen Gewehr, dann fürchtet er [der Schütze] sich auch nicht.

Drago: Das fand ich super, ein bisschen über Bullpup und AR15 zu sprechen.

7 Landesverteidigung und Vertrauen in die Bevölkerung

(59:20) Drago: Noch zur [Edelweiss] Stellungnahme [zum Waffengesetz] und der Landesverteidigung. Dein Kommentar, bitte.

Andreas: Ein großen Punkt, den wir in der zweiten Stellungnahme hatten, war das Waffengesetz in Zusammenhang mit der Landesverteidigung. Und da geht es eher um ein Mindset und das Vertrauen des Staates in den Bürger, wo wir in Wahrheit eine diametrale Situation haben. Auf der einen Seite reden wir [die Regierung und wir im politischen Diskurs] über Landesverteidigung und wir müssen wehrfähig werden – um nicht das Wort kriegstauglich zu verwenden, das dürfen wir ja nicht sagen. Aber wir kaufen Waffensysteme, Drohnen und Drohnenabwehr. Wir beschäftigen uns viel mit diesen Dingen [Landesverteidigung, Wehrfähigkeit etc.]. Und gleichzeitig sagt man [die Regierung] dem Bürger: „Aber alles was Waffen betrifft, da vertrauen wir dann nicht.“ Das heißt, man will den jungen Österreicher zwar vergattern zum Bundesheer zu gehen und dort seine Wehrpflicht abzuleisten. Aber führe ins Treffen, dass diese Systeme auch jemand bedienen muss. Wenn ich jungen Menschen von Anfang an sag, dass Waffen was Grausliches, Schlimmes, Gefährliches sind, dann wird meiner Meinung nach ein Grundverständnis erzeugt, mit dem nicht damit rechnen kann, dass irgendwer für die gewünschte Wehrhaftigkeit bereit ist. Das Bundesheer macht da einiges, auch in Vorträgen bei jungen Leuten. Aber das Waffengesetz arbeitet komplett dagegen. Es sagt in meinem Verständnis aktuell so quasi: „Ich vertraue dir nicht bis du 25 Jahre alt bist.“ Es gibt dann ein paar Ausnahmen, etwa wenn man beim Bundesheer ist. Aber das wird nicht ausreichen, denn wir haben ein Milizsystem und [unsere Landesverteidigung] ist wesentlich auf der Zivilbevölkerung aufgebaut. Und dass dieses grundsätzliche Mindset kontraproduktiv ist, haben wir bei der Stellungnahme eingebracht. Andere EU-Staaten, wie Polen, Tschechien oder die Slowakei, verfolgen den Ansatz der Bevölkerung den sachkundigen Umgang mit Waffen zu vermitteln, statt das Thema vollständig auszublenden oder gar zu verbieten.

(1:02:43)  Drago: Die abschließende Frage zur Stellungnahme zum neuen Waffengesetz wäre ja, was bringt dann tatsächlich mehr Sicherheit und was ist nur Symbolpolitik?

(1:02:58)  Andreas: Also ich befürchte, dass das neue Waffengesetz nicht wirklich mehr Sicherheitsgewinn bringt, weil nicht mehr Leute ausgesiebt werden, die potenziell mit einer Schusswaffe Unrechtes tun könnten. In der Realität ist ja so dass sich Verbrechet etwas anderes suchen, wenn sie keine Schusswaffe haben. Böse Menschen wird es leider immer geben, die brauchen aber keine Schusswaffen um grausliche [gewalttätige, gesetzeswidrige] Dinge zu tun. Wie das Waffengesetz war, war grundsätzlich ganz gut. Weil es uns Bürgern Freiheit gegeben hat, auch Waffen zu besitzen. Wir genießen [in Österreich] ein Vertrauen, das es in anderen Ländern nicht gibt. Uns das Recht wegzunehmen [oder einzuschränken] halte ich jedoch für keinen wesentlichen Sicherheitsgewinn. Eben weil Verbrechen ohnehin mit illegalen Waffen verübt werden und meist ist es keine Schusswaffe, sondern etwas komplett anderes. Dafür kann ein Messer verwendet werden, eine Schere, ein Auto kann oder ganz viele andere Dinge.

8 Selbstschutz, Prävention und Wahrnehmung

(1:04:48)  Drago: Ich habe einmal interviewt den Chef vom Kriminalmuseum, den Herrn Harald Seyrl, der sich auch als Historiker mit den Dingen beschäftigt. Du kannst auch mal vorbeischauen bei ihm: Auch viel zu Attentaten und dergleichen, hat er in seinem Museum. Worauf ich hinaus will, dass auch er der Meinung war, dass rein statistisch gesehen, durch die Verschärfung des Zugangs zu Waffen die Leute immer mehr zu Stichwerkzeugen oder sonstigen Instrumenten greifen. Hinzufügen möchte ich einen Spruch, das hat einmal ein amerikanischer Soldat in den 60ern oder 70ern gesagt, ich forme das ein bisschen um: „Mord ist illegal, Vergewaltigung, Raub all diese Verbrechen sind illegal, aber die Leute machen es scheinbar trotzdem. Das heißt weder die Polizei noch [Gesetze] können abschrecken. Es sei denn du rüstest das Opfer auf ein Niveau. Verstehst du, was ich sagen will? Wenn jemand nicht wie ein Opfer wirkt oder ein schweres Opfer ist, der wird tendenziell weniger beraubt, bestohlen und so weiter?

Andreas: Wir bringen das im Begriff Wehrhaftigkeit unter und mehr in den Bereich Selbstschutz. Um auf die erweiterte Frage zu einzugehen: Warum kommen die Leute zu uns und wollen das Schießen lernen? Den Hauptgrund orte ich dort, dass sich Menschen unsicher fühlen. Die können nicht mal genau definieren, was diese Unsicherheit ist. Aber sie sehen in den Medien was alles passiert. Normalerweise sind es Personen zwischen 30 und 55 [Jahren] und der Mittelstand. Männer und Frauen, die sich in ihrem Leben schon etwas aufgebaut haben, die Familie haben und die sich entscheiden, dass sie nicht weglaufen wollen. Und die erste Idee ist meistens:Wir brauchen eine Schusswaffe im Haus.“ Die kommen dann zu uns und wollen eine Waffe kaufen. Und die machen dann im nächsten Schritt auch eine Schießausbildung. Und hier ist es wichtig zu unterscheiden was ist sportliches oder was jagdliches Schießen, was ist Verteidigungsschießen, welches immer mit dem Notwehr-Paragraphen verbunden ist.

Mit dem „Notwehr-Paragraph“ in Österreich ist §3 Strafgesetzbuch (StGB) gemeint, der wie folgt lautet: § 3 (1) StGB Nicht rechtswidrig handelt, wer sich nur der Verteidigung bedient, die notwendig ist, um einen gegenwärtigen oder unmittelbar drohenden rechtswidrigen Angriff auf Leben, Gesundheit, körperliche Unversehrtheit, sexuelle Integrität und Selbstbestimmung, Freiheit oder Vermögen von sich oder einem anderen abzuwehren. Die Handlung ist jedoch nicht gerechtfertigt, wenn es offensichtlich ist, daß dem Angegriffenen bloß ein geringer Nachteil droht und die Verteidigung, insbesondere wegen der Schwere der zur Abwehr nötigen Beeinträchtigung des Angreifers, unangemessen ist.

(Aktuelle Fassung des Strafgesetzbuches §3 Notwehr im RIS)

Andreas: Gleichzeitig kommen die Leute immer darauf – und werden dann von uns dazu stark geschult – wenn wir vom Verteidigungsschießen reden, dann reden wir immer von der höchsten Eskalationsstufe. Der Einsatz einer Schusswaffe bedeutet immer den Einsatz tödlicher Gewalt. Ich kann nachher nicht behaupten, ich wollte jemanden nur erschrecken wollen.

Drago: Überschreitung der Notwehr.

Andreas: Genau. Und die Rechtfertigung für [den Einsatz von Schusswaffen] ist immer nur der Notwehr-Paragraph. Ob es Notwehr und damit gerechtfertigt war, entscheidet jedoch der Richter. Und wir sehen dann wie Leute Schießausbildung machen, das immer mehr verinnerlichen und dann später draufkommen, ob die Schusswaffe zur Selbstverteidigung genutzt wird oder eher ein Sportgerät ist. Weil es macht auch Spaß – [Schießen] ist ein Hobby. Und einige entscheiden sich dafür, dass die Schusswaffe Teil der Selbstverteidigung und des Selbstschutzes zu Hause ist. […] Aber wir beraten Leute natürlich auch und schlagen einiges vor: Sicherheitstür, Hund, Licht mit Bewegungsmelder, Alarmanlage. Man kann ganz viel tun um sich, die Familie und das Eigenheim zu schützen und die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs gegen Null zu bringen. Ich sage den Leuten auch immer: „Sie brauchen sich nicht fürchten.“

(1:10:55) Das andere ist Selbstschutz auf der Straße. Als Frau, wenn man immer durch eine finstere Gasse, U-Bahn-Station, Park etc. muss, also einen Bereich der unangenehm ist – da stellt sich die Frage nicht, ob man eine Schusswaffe braucht, weil man die gar nicht mitnehmen darf. Dafür bräuchte man einen Waffenpass. Hier muss man weiterdenken, was man tun kann um auch unterwegs nicht in Gefahr kommt.

Hier ist der Unterschied zwischen Selbstschutz und Selbstverteidigung: Selbstschutz ist Prävention, z.B. ich gehe nicht durch den Park oder ich rufe einen Freund an, damit jemand direkt verbunden ist. Selbstverteidigung, das ist für uns kämpfen. Aber nicht mit Regeln, wie bei Kickbox oder Karate, sondern Selbstverteidigung. Aber da wollen wir nicht hin.

Mit solchen Überlegungen kommen die Leute drauf man braucht die Schusswaffe für den Verteidigungszweck in Wahrheit nicht, aber es ist ein lässiges Hobby, an dem ich Spaß habe.

Weil wir vorher auch noch über Sicherheitsgewinn gesprochen haben, das ist meiner Ansicht nach Aufklärung wie man Prävention betreibt.

Drago: Mir wurde auch immer beigebracht, die Dinge nicht im Zufall zu überlassen. Etwa eine Parallelstraße mit Licht und Menschen zu wählen. Eine präventive Denkweise ist von Vorteil.

Andreas: Da bin ich auch dafür: Sich Szenarien einmal vor Augen zu führen, aber dann nicht damit durchs Leben zu gehen. Ich bin davon überzeugt, dass das Leben in Wien [oder Österreich] nicht gefährlich ist. Mit Anschlägen, Raub etc. zu rechne ist das völlig falsch – das wird nicht passieren. Aufmerksamkeit im gestressten Zustand können wir nur kurze Zeit aufrechterhalten. Aber es möglich etwa in der U-Bahn-Station 5 Sekunden zu schauen was los ist. Der 6. Sinn sagt uns, ob alles in Ordnung ist oder nicht. Das wahrzunehmen ermöglicht Entscheidungen: Fahre ich mit der nächsten U-Bahn, gehe ich, schau ich mir die Situation weiter an. Aber das ist durch das Handy sehr stark zurückgedrängt. Menschen bemerken nicht mehr, was um sie herum passiert und werden dadurch überrascht. In der Aufmerksamkeit sehe ich eine Gelegenheiten Verbrechen zu verringern.

(1:17:30) Zum Thema Angst: Wir haben auch einen Präventivkurs für Kinder, bei dem es explizit darum geht Angst gegen Vorsicht zu tauschen. Kindern soll die Angst davor, dass sie eine fremde Person anspricht, genommen werden. „Nimm keine Zuckerl von einem Fremden an.“, ist richtig. Andererseits, wenn jemand nach dem Weg fragt ist das nicht automatisch ein gefährlicher Moment. Kinder sollen vorsichtig sein, also z.B. nicht bei Fremden mit dem Auto mitfahren, aber das bedeutet nicht “den ganzen Tag” vorsichtig zu sein. Das Leben ist grundsätzlich völlig ungefährlich.

Drago: Ein Realitätscheck hilft: Wir haben ein Dach über dem Kopf, Essen und Trinkwasser und leben in einem freien Land. Diese Perspektive verhindert, dass Vorsicht in dauernde Angst umschlägt.

Andreas: Und das ist das Schöne. Menschen zu uns kommen, um sich Schusswaffen für die Selbstverteidigung anzuschaffen. Über die Ausbildung erkennen sie dann jedoch den größeren Kontext.

(1:19:45)  Drago: Wie viel kann ich vorausschauend wirken? Wie viel Situationsbewusstheit kann ich haben? Ich finde es gut, bewusster wahrzunehmen.

Andreas: Die Wahrnehmung ist ein ganz großes Thema, dass wir auch bei unseren Bewerben beüben. Hierbei schauen wir bei Personen etwa auch auf Gesicht und Hände, weil das viel verrät.

Drago: Also wie? Statt links rechts links dann Rumpf Gesicht Rumpf?

Andreas: Sprichst du den Scan an?

Drago: Ja, bitte – erzähl mir was über den Scan.

Andreas: Also bei der exekutiven und militärischen Schießausbildung, mache ich einen Scan nachdem ich geschossen haben. Der soll mehrere Dinge bewirken: Wir reden in dem Fall von einer lebensbedrohlichen Situation und dabei bekommt man einen Tunnelblick, bei dem man nur mehr eine Sache wahrnimmt. Mit dem Scan kann man den Tunnelblick aufbrechen. Also meinen Kopf bewegen von dem fokussierten Punkt lösen, sodass die periphere Sicht wieder aufgeht und man sein Umfeld wahrnimmt. Und zweitens ist im Scan eine Umfeldkontrolle verpackt. Also was ist rundherum los? Dafür muss man aber genau schauen, nicht bloß den Kopf irgendwie bewegen.

(1:23:15) Vielleicht noch ein Punkt, nämlich Zivilcourage. Das ist nämlich ein ganz schwieriger Moment, weil ich wissen muss was passiert (ist), bevor ich mich selbst einschalte. Grundsätzlich ist das [Eingreifen] die Aufgabe des Polizisten. Eine Fehleinschätzung kann hier richtig gefährlich sein. Da würde ich eher Selbstschutz vor Fremdschutz empfehlen. Es gibt immer Leute, die meinen, da hätte sich jemand einschalten können. Im Nachhinein ist es leicht, aber wenn du etwa Familie dabei hast, kannst du nicht einfach weglaufen, sondern musst auf deine eigenen Kinder schauen. Das andere ist die Möglichkeit selbst verletzt zu werden – und die ist hoch, weil sich die Aggression dann plötzlich gegen dich richtet. Aber selbst wenn du die Situation mit Gewalt lösen kannst, dann hoffe ich für dich, dass das Notwehr war. Bzw. ich hoffe du hast die richtige Person angegriffen.

Hinweis: Bei Notwehr verteidigt man sich selbst gegenüber einem rechtswidrigen Angriff. Bei der Nothilfe wird einer anderen Person geholfen, die angegriffen wird. Beides ist im „Notwehr-Paragraphen“ § 3 StGB geregelt.

Andreas: Also es ist wirklich schwer sich wo einzumischen. Das muss gut überlegt sein. Deswegen mache ich niemandem einen Vorwurf, wenn man nicht einschreitet, wo Gewalt im Gange ist. Die Aufgabe liegt primär bei der Polizei. Die Rettungskette in Gang zu setzen ist wichtig.

9 Krisenvorsorge, Nachbarschaft und staatliche Strukturen

(1:27:45)  Drago: Denkst du, dass der Staat die Bevölkerung im Ernstfall gut schützen kann?

Andreas: Da müssen wir unterscheiden. Sprechen wir über Gewalt und Verbrechen im täglichen oder militärischen Sinn?

Drago: Ich präzisiere: Wir sprechen über bürgerkriegsähnliche Zustände, in dem ein Teil der Bevölkerung nicht mehr zu kontrollieren ist. Wie kann der Staat da die Bevölkerung schützen?

Andreas: Ich bin davon überzeugt, dass das Blaulicht insgesamt gut aufgestellt ist. Ich denke da an ein Szenario wie ein Blackout, im dem sich Banden formieren. Meiner Ansicht nach ist die öffentliche Kommunikation über solche Situationen zu wenig. Insgesamt sind wir in Österreich gut aufgestellt, um Versorgung schnell wieder in Gang zu bringen. Kommunikation gibt es in Österreich zwar sehr wohl, aber zu wenig was konkret gemacht wird. Viele Bürgermeister etwa haben Pläne, aber es wird nicht darüber geredet, um nicht zu suggerieren man könnte etwas Schlimmes erwarten. Da hab ich hingegen das Gefühl man kann den Bürgern diese Wahrheit zumuten.

(1:30:45) Wir haben auch eine Kooperation mit Bürgermeistern zum Thema Krisenvorsorge. Wir werden dabei vom Bürgermeister eingeladen, um die Bevölkerung zu informieren wie die Gemeinde für so eine Situation vorbereitet ist, etwa um die Strom- und Wasserversorgung, Tankstellen etc. wieder herstellen. Gleichzeitig kann der Bürgermeister keine Verantwortung übernehmen, was jeder selber für sich machen kann: Und damit beschäftigen sich Leute zu wenig. Ich stelle hierbei die Nachbarschaft immer an erste Stelle. Das heißt, ich muss eine gute oder neutrale Beziehung zu meinen Nachbarn haben, damit man zusammenhilft, wenn „die Kacke am Dampfen ist.“ Und das funktioniert in Österreich glaube ich gut. Es gibt auch Fälle aus jüngster Vergangenheit, etwa mit Hochwasser, wo Leute aus Städten rausgefahren sind und Menschen in Not geholfen haben. Für Wien als Stadt kann ich im Detail nicht sprechen, aber auch hier muss ich gut vernetzt sein.

(1:34:53) Die Schusswaffe allein löst eine Krise nicht. Angenommen du bist Bauer in der Nähe von Wien und hast alles: Strom, Lebensmittel, Wasser und Medikamente. Und du hast eine Schusswaffe, um das alles zu verteidigen. Das wird nicht funktionieren, weil du musst auch irgendwann schlafen. Und wenn du einen Bug Out Bag [= Fluchtrucksack] hast: Wo willst du denn hinlaufen? In den Wienerwald? Bist du schon einmal mit 30kg [Rucksack] spazieren gegangen? Mach mal ein paar Steine rein, geh um den Häuserblock und schau wie du dich fühlst. Ich glaube, die Priorität ist einfach ein gutes Netzwerk zu haben in dem man zusammenhilft: Ein bisschen was zu Geben haben, ein bisschen Nehmen können. Da glaube ich ist die österreichische Bevölkerung nicht schlecht aufgestellt. Es wurde von der Politik informativ was getan, aber da ginge noch mehr.

Drago: Ja, im Ernstsituation gilt die Reziprozität: Ich dir, du mir. Ich lade mir alle drei Jahre vom Ministerium den Blackout-Folder herunter. Bist du [Andi] selbst auch Prepper?

(1:37:40)  Andreas: Also ich würde mich jetzt nicht zu den Preppern zählen, weil ich keinen Fluchtrucksack habe.

Drago: Aber einen Bunker? Beide lachen

Andreas: Auch nicht. Flucht erlaubt meine Familiensituation nicht. Die Frage ist immer, “wo sollen wir hin?” Aber natürlich haben wir einen Plan. Der erste Schritt ist jedoch nicht Flucht.

10 Sicherheitslage und Wehrhaftigkeit

(1:38:20)  Drago: Hast du eine Meinung dazu, wie sich die Sicherheitslage in Österreich in den letzten 10 Jahren verändert hat?

Andreas: Da muss ich vorausschicken, das ist eine persönliche Einschätzung, keine statistische. Ich glaube, dass es regionale Unterschiede gibt. Aber ich würde sagen, dass es Gewalt immer schon gegeben hat. Was sich ein wenig verändert hat bzw. schlimmer geworden ist, sind Rauferein auf der Straße. Wie wir als Jugendliche gerauft haben war es aus, wenn einer am Boden gelegen ist. Das glaube ich ist nicht mehr so – Nachtreten in der Gruppe ist mehr geworden. Der Einbruch selber, bin ich mir nicht sicher. Aber ich glaube auch, dass Einbrechen in Österreich ein gefährliches Geschäft ist. Man weiß nie, ob jemand bewaffnet ist oder nicht. Wir hatten unlängst so einen Fall: Freispruch für den Hausbesitzer aufgrund von Notwehr für den Schusswaffengebrauch. Die Konfrontation steht für Einbrecher glaube ich aber nicht auf dem Plan: Der will rein und schnell wieder raus. Wenn man von Home Invasion spricht, ist man ganz konkretes Ziele, wobei du in dem Fall fast keine Chance hast. Da müsstest du alle Hausbewohner, sprich Familie, einweisen. Ich selber würde mich wieder auf den sechsten Sinn verlassen, weil man spürt, ob man in dieser Richtung unter Druck kommen könnte. Zielloses überfallen von Häusern glaube ich nicht, dass auf der Tagesordnung steht. Dass eine Oma in die Wohnung gedrängt wird, halte ich jedoch wieder für möglich, weil die bei uns Oma ein vergleichsweise leichtes Ziel ist. Die Oma in Amerika wäre das nicht, weil man da nicht weiß wie schwer die bewaffnet ist. Da schleißt sich wieder der Bogen: Ein schweres potenzielles Opfer, ist tendenziell kein Opfer.

Ich vergleiche das gerne mit dem Bären und dem Wolf: Die zwei kämpfen nicht miteinander. Weil der Bär weiß, dass der Wolf Zähne hat und umgeklärt. Sie werden sich eher was ausmachen: Du nimmst die Schafe, ich die Rehe. Kämpfen tun sie erst, wenn nichts mehr da ist. Wenn wir uns so geben, dass wir wehrhaft sind, dann sind wir in der Prävention und einfach gar kein Ziel. Also wenn ich aufrecht durch den Park gehe ist das was anderes, als wenn ich gebückt durchgehe.

(1:44:50)  Dazu fällt mir noch eine kontroverse, amerikanische Geschichte aus dem Militärischen von Dave Grossman ein: Sie handelt vom Wolf, den Schafen und dem Schäferhund. Der Wolf symbolisiert den Verbrecher, der Gewalt antun will. Die Schafe sind die Mehrheit der Gesellschaft, die in Ruhe leben wollen. Der Schäferhund soll die Schafe beschützen und symbolisiert den Soldaten und Polizisten, wobei dieser sehr unbeliebt ist: Denn der Schäferhund schaut aus wie ein Wolf, hat auch Zähne, ein dunkles Fell und ist groß. Aber wenn der Wolf kommt, dann hoffen die Schafe doch, dass der Schäferhund da ist und sie schützt. Ich erzähle die Geschichte nicht oft, aber sie passt gut, wenn zum zivilen Waffenbesitz. Wir sehen, dass es bei uns viele Schäferhunde gibt und das sind nicht nur Soldaten und Polizisten, sondern auch Zivilisten, die die Rettungskette in Gang setzen, jemanden bergen können oder in der Zivilcourage helfen. Das täte unserem Land auch gut zu sagen: „Es ist gut und in Ordnung [dass es diese Schäferhunde gibt].“ Ich zähle uns zwei dazu. Wir sind unbeliebt, weil bei uns stehen Waffen im Waffenschrank. Aber das ist nur ein Werkzeug.

11 Waffenbesitz, Gesellschaft, Wehrhaftigkeit in Europa

(1:48:00) Andreas: Wobei ich davon überzeugt bin, dass der Waffenbesitz in Österreich mehrheitstauglich ist. Da gibt es auch Marktforschungen, die durch die Wirtschaftskammer vor einigen Jahren mit einem Querschnitt der Bevölkerung gemacht wurde. Ich war selber Teil davon. Da wurde die Bevölkerung zum Thema Legalwaffenbesitz in der Zivilbevölkerung, Rüstungsindustrie (Waffenexporte) etc. gefragt: Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung hat kein Problem mit Waffenbesitz oder ist sogar dafür. Die einzige Frage, die sich stellt: Reden wir von Verrückten und Verbrechern? Es kommt letztendlich heraus, dass es den Österreichern “egal” ist, ob der Nachbar Waffen hat. Vielleicht ist das sogar gut. Speziell in Österreich und im deutschsprachigen Raum sind Waffen verankert. Man darf nicht vergessen, wir haben nach wie vor eine HTL und eine Büchsenmacherschule, wo wir 14-jährigen Schülern zeigen, wie man Waffen baut.

(1:50:00) In der Waffen- und Rechtsgeschichte war es so, dass niemand außer der Aristokratie für jagdliche Zwecke Waffen haben durfte. Aristokraten haben dies für Förstern und Bauern langsam liberalisiert. So ging das bis vor dem Krieg kontinuierliche weiter. Ob Bürger Waffen besitzen dürfen ist für mich auch ein Signal. Ich war beruflich viel unterwegs und kenne unterschiedliche Waffengesetze in verschiedenen Ländern: In autoritären Ländern ist der zivile Waffenbesitz grundsätzlich verboten, z.B. Russland, Nordkorea, China, Saudi-Arabien. In Südkorea oder Japan etwa gibt es auch sehr strenge Waffengesetze, obwohl sie demokratische Länder sind. Aber liberale Länder erlaubt Bürgern tendenziell den Waffenbesitz, weil man Bürgern vertraut. Und das Vertrauen wird jetzt [in Österreich] wieder zurückgeschraubt. Ohne meiner Ansicht nach Sicherheitsgewinn zu bringt. Gleichzeitig sieht man auch andere Tendenzen in anderen europäischen Ländern, wo ziviler Waffenbesitz als Teil der Landesverteidigungsstrategie wieder gefördert wird.

Drago: Ursprünglich wurde der Waffenbesitz also aufgrund eines Vertrauens erlaubt. Theoretisch würden die Restriktion auf ein sinkendes Vertrauen in den letzten 30 Jahren hinweisen?

Andreas: Da stimme ich auch zu, dass die Tendenzen schon eher wieder in Richtung Kontrolle gehen. Und dass eher eingeschränkt wird. Ich muss aber gleichzeitig klar sagen, dass eine gesunde Mitte zwischen dürfen wir [als Bürger] überall oder nirgends mitreden, der richtige Weg ist. Es gibt, auch unpopuläre Dinge, die müssen Top-Down entschieden werden. Bei anderen Dingen muss man darüber reden. Bei der Wehrpflicht habs ja kürzlich die Methode: „Na frag ma die Leit.“ Aber warum soll man sie Leute fragen? Diese Unentschlossenheit gefällt keinem [Bürger]. Wenn wir über alles reden ist es ja kein Wunder, dass Menschen wieder nach „dem starken Mann“ fragen. Das jedoch halte ich für eine gefährliche Entwicklung. Umgekehrt die Bevölkerung nie miteinbeziehen ist auch gefährlich. Die Mitte zu halten ist auch Aufgabe von Politikern. Um auch auf Europa zu kommen: Ich bin ein Europa-Freund. Dabei müssen sich nicht immer alle Länder einig sein, aber wenn etwas Gröberes ist müssen wir uns dem größeren Auftrag widmen. Und das geht nur wenn es auch einen gibt, der eine Richtung vorgibt. Dabei haben wir uns in Europa auch noch nicht ganz gefunden.

(1:57:46)  Drago: Mein Vater hat immer zu mir gesagt: Übergib dich nicht dem Dualismus. Es ist nicht gut, wenn Menschen sich so sehr in “ihrer Seite” finden, dass sie mit anderen gar nicht mehr reden. Also Waffenbesitz ist schon noch erlaubt, aber doch schon sehr eingeschränkt. Würdest du sagen, dass Europa im zivilen Sinn wehrloser geworden ist?

Andreas: Ich glaube nicht, dass wir wehrloser worden sind. Weil wir noch ein Mindset der Wehrhaftigkeit haben, speziell im deutschsprachigen Raum. Unsere Geschichte mit Krieg ist nicht so schön und wir waren nicht die Guten. Gleichzeitig sind wir eher ein Fluchtort, also ein Ort, von dem wir flüchten. Weil das fest in uns verankert ist, sag ich auch man soll den Österreicher und den Europäer nicht zu sehr provozieren, weil dann kommt [die Wehrhaftigkeit] raus. Ich glaube, die Menschen haben eher Angst [ihre Wehrhaftigkeit] wieder rauszulassen, weil wir wissen wozu wir fähig sind.  Von dem was ich beim Reden mit Leuten in der Schießanlage sehe, leite ich mal empirisch ab, dass bei ganz normalen Leuten (alt, jung, Mann, Frau, arm, reich, akademisch, Handwerker) aus allen Schichten diese Dinge [, die Wehrhaftigkeit zeigen, ] eingepflanzt sind. Diese Seite zeigt sich bei uns am Schießplatz. Daher meinte ich auch, dass Einbruch in Österreich ein gefährliches Geschäft sein kann, weil wenn du bei jemandem einbrichst kann es sein, dass diese Wehrhaftigkeit rauskommt – in der Notwehr. Ich glaube wir haben oft Angst, dass der Typ rauskommt: Ich glaube aber im Gesicht eines Schäferhunds, nicht des Wolfes. Den Wolf haben wir Europäer hinter uns gelassen: Uns gelüstet es nicht uns ein Land zu holen, weder militärisch noch wirtschaftlich. Und wenn wir den Schäferhund rausholen, glaube ich, dass wir ganz viel Schlagkraft haben, sowohl im zivilen Bereich als auch militärisch.

Drago: Ich hoffe, dass der Frieden so bleibt. Er hat uns erlaubt Zivilisation zu üben und perfektionieren.

(2:05:00) Andreas: Ich kann auch noch ein Vergleich bringen, warum ich zu dem Schluss komme. Ich war viel auf polizeilichen und militärischen Rüstungsmessen unterwegs. Dort hatte ich die Gelegenheit Teilnehmer von Konflikten kennen zu lernen. Man hat gut beobachten können wie die Rüstung weltweit aufgebaut ist. Österreich ist im Vergleich mittlerweile leider sehr klein. Aber beim Vergleich der deutschen, amerikanischen und russischen Industrie, hat man unterschiedliche Zugänge deutlich erkannt: Amerikaner gehen auf Masse. Deutsche, aber auch andere Europäer, Frankreich, Belgien, Schweden sind durchdacht und hocheffizient. Die Russen sind eher rustikal, dafür aber anpassungsfähig. Aber insgesamt ist Europa, auch mit Blick auf die Innovationen, alles andere als wehrlos. Es fehlt nur dieser Trigger, von dem ich hoffe, dass er nie kommt.

12 Selbstschutz

(2:07:40)  Drago: Zum Selbstschutz, was sollten alle Leute wissen? Was sagst du Menschen immer wieder?

Andreas: Uns fragen natürlich viele im Kontext mit Schusswaffen. Aber wie schon besprochen, Selbstschutz ist für uns vor allem Prävention. Dafür kann man sehr viel tun, aber die Schusswaffe gehört da eher nicht dazu. Es geht darum sich einen Plan zu überlegen. Danach denke ich nicht mehr drüber nach und genieße das Leben. Weil wir sind in Österreich, da passiert nichts. Wir sind privilegiert ohne Ende. Sich einmal Gedanken zum Selbstschutz zu machen ist sinnvoll, alles darüber hinaus ist paranoid und nicht notwendig.

13 Waffen als Werkzeuge und Ausbildungssystem

(2:09:15)  Drago: Wie du auch vorhin gesagt hast, das gefiel mir gut: Tausche Angst gegen Vorsicht. Okay, andere Frage: Mehr Waffen, mehr Gewalt? Oder wenn Waffen verantwortlich sind für Tote, dann sind Bleistifte verantwortlich für Rechtschreibfehler?

Andreas: Ja, das sind amerikanische Analogien. Beide lachen.

Natürlich grundsätzlich sage ich, dass Waffen nicht Grund für mehr Gewalt sind. Und ich kann mit einem Bleistift übrigens nicht nur Rechtschreibfehler machen, sondern auch jemanden quälen … Lachen.

Ich glaube dass geschult werden muss: Eine Waffe ist ein Werkzeug wie jedes andere. In die Kategorien fallen für mich auch Pfeil und Bogen oder Armbrüste rein, aber das wird bei uns eher als Sportgerät, Spaßgerät oder Spielzeug wahrgenommen. Kinder dürfen das kaufen. Wenn man in der Geschichte zurückschaut wofür diese Geräte erfunden wurden, dann erkennt man das es derselbe Grund ist wie die Schusswaffe. Die Schusswaffe an sich ist nichts Wildes. Gewalt kann man mit allen möglichen Dingen zufügen.

(2:11:30)  Wenn wer sagt, Gewalt ist mit einer Schusswaffe effizienter, dann sage ich nein. Aber mehr mag ich nicht sagen.

Drago: Verstanden.

Andreas: Die Schusswaffe ist spektakulär.

(2:11:45) Drago: In jedem Action Film ist eine Glock.

Andreas: Da kann ich aus dem Nähkästchen plaudern: Glock hat, während meiner beruflichen Zeit dort, keinen einzigen Dollar für product placement [= Produktplatzierung als Werbemittel] ausgegeben. Die amerikanische Filmindustrie bemüht sich bei Waffen und Abläufen realitätsnahe darzustellen. Das FBI etwa hat Glock Pistolen, also müssen die auch im Film eine Glock haben. Das ist für österreichisches Unternehmen schon eine Errungenschaft.

(2:13:25)  Drago: Hast du eine Glock?

Andreas: Eine? Beide lachen. Ja, natürlich.

(2:13:50) Drago: Ich habe eine 17er in 4. Generation [Glock 17 Gen 4]. Ich war jetzt letzte Woche beim Seidler, für ein Schießbewerb. Bei euch kann man auch Schießbewerbe machen, oder?

Andreas: Genau. Kurz zum Ausbildungssystem. Wir bringen in Lehrgängen, auf der Anlernstufe Inhalte bei. Da gehen wir davon aus, dass der Teilnehmer von der Thematik noch nichts weiß. Dann haben wir das Trainingssystem, das ist die Festigungsstufe. Das heißt der Teilnehmer weiß worum es beim Thema geht und wir festigen, wiederholen und erweitern um andere Techniken. Dann haben wir Bewerbe, welche sich auf der Durchführungsstufe abspielen. Es wird nichts mehr vorgegeben, du hast einen Auftrag und du musst die Situation lösen. Dabei geht es um Schießfertigkeiten und Wahrnehmung. Teilweise siehst du was du tun musst, teilweise nicht, das heißt du musst erst einmal wahrnehmen. Die Wahrnehmung hat auch selten etwas mit Schießen zu tun.

Bewerbe sind bei uns auch eine sportliche Disziplin mit Sportordnung und Ergebnislisten für Behörden. Dabei geht es aber auch um Spaß und Unterhaltung. Wahrnehmung und Schießfertigkeiten sind dabei wichtig. Solche Bewerbe führen wir regelmäßig durch – Monatsbewerbe und größere Bewerbe. Wie du [Drago] sie auch schon kennen gelernt hast. Zudem hat man einen Benchmarktest für sich selber: Wie reagiere ich in einer Situation von der ich noch nicht weiß, wie sie ablaufen wird. Je öfter die Leute das machen, desto besser werden sie. Und natürlich, je besser Teilnehmer in der Handhabung sind, desto mehr Gehirnkapazität haben sie für die Wahrnehmung frei, desto besser sind sie beim Bewerb. Und der Funfaktor, der schwingt immer mit, weil Schießen ist schlussendlich auch einfach ein Hobby.

Drago: Ja, mit dem ersten Fuß am Schießstand geht mein Herz auf. Wirklich.

14 Schnelle Fragen und persönliche Favoriten

(2:17:34)  Drago: 9 Millimeter oder .45 ACP?

Andreas: Einfache Frage. 9 Millimeter.

Drago: 5,56 oder 7,62 Millimeter?

Andreas: 5,56 Millimeter.

Drago: Lieblingspistole?

Andreas: Meine Glock, die ich als erstes bekommen und bis heute habe. Das ist eine Glock 17 der Generation 3, out of the box [im Originalzustand], völlig unverbaut. Und die zweite Lieblingswaffe, die ich gewerblich besitzen darf, ist eine Pumpgun, die Winchester Defender. Wir sagen immer weiße Schokolade dazu. Beide lachen.

Drago: Was ist dein Lieblingsgewehr?

Andreas: Ein AR-15 out of the box. Da wäre mir die Optik wichtiger als das Gewehr. Eine solide Rotpunktoptik.

Drago: etwa von EOTECH oder HOLOSUN.

Andreas: Ein Aimpoint in meinem Fall. Dieses Visier hat bereits mehrere AR-15-Plattformen überlebt.

(2:19:20)  Drago: Welchen Ausrüstungsgegenstand hast du immer dabei?

Andreas: Ich 2 Dinge habe ich immer mit: Eines ist ein Taschenmesser.  Andi hält rotes Taschenmesser in die Kamera.

Drago: Ein Victorinox Schweizer Taschenmesser.

Andreas: Genau ein stinknormales Schweizer Taschenmesser. Und was ich auch immer mit habe ist ein 100-Dollar- und einen 100-Euro-Schein. Habe ich immer wieder gebraucht. Damit kann man sich eine Taxifahrten und einen größeren Gefallen leisten.

Drago: Was ist dein Lieblingsmesser?

Andreas: Mit Schweizer Dialekt gesprochen. Mir gefallen die Schweizer Armee Messer sehr gut. Die klassischen Victorinox-Messer. Auch das Glock-Feldmesser aus Federstahl ist vom Preis-Leistungs-Verhältnis top. Ich bin natürlich ein Messer Fan. Aber ich hätte kein Kampfmesser im Sinn, das sind eher Sammlerstücke für mich.

Drago: Das Glock-Messer ist auch eigentlich älter als die Glock selbst. Das wurde ja schon Jahre davor vertrieben, bevor es dann eigentlich zur Handfeuerwaffe kam.

Andreas: Ja, das Messer war der Eintrittspunkt des Herrn Glock, weil er die Firma des Lieferanten übernommen hat. Das Glock-Feldmesser hat er dann verbessert und das war erste Entwicklungszusammenarbeit mit dem Bundesheer.

Dragos Podcast_Andreas Streindl zeigt sein Lieblings-Taschenmesser

Drago: Welche Uhr trägst du am liebsten? Du trägst eine Luminox?

Andreas: Ja .. kann ich nicht so empfehlen. Die Tritium-Einsätze sind jedoch interessant. Meine langjährige Lieblingsuhr ist aber eine Citizen Blue Angels. Das ist eine solarbetriebene Weltzeituhr mit Funkempfang und automatischer Datumsanzeige. Sie kostet etwas mehr als 500 Euro, ist das Geld aus meiner Sicht aber wert.

(2:22:55)  Drago: Bist du Frühaufsteher oder Nachtmensch?

Andreas: Mittlerweile bin ich im Alter, dass ich ein Frühaufsteher bin.

Drago: Kaffee am Range Day?

Andreas: Gerne Kaffee, aber auch Tee.

(2:23:25)  Drago: Was ist dein Lieblingsfilm? Gerne aus unserem Genre.

Andreas: Da fallen mir zwei ein. Lord of War mit Nicholas Cage, weil das in unserer Branche ein Pflichtfilm ist. Ich habe auch die Gelegenheit gehabt genau solche Leute zu treffen. Nicolas Cage spielt einen skrupellosen Waffenhändler. Also den Abschaum, der böseste Mensch. Aber das Wichtigste ist die allerletzte Szene, da wird der Waffenhändler festgenommen und sagt: “Und jetzt schau zur Tür. Da wird es gleich klopfen und ich werde nach Hause gehen. Weil ihr ohne mich nicht könnt. Andere, die viel höher in der Hierarchie sind, brauchen mich.” Und so kommt es dann, der Waffenhändler kommt frei und macht sein Ding weiter.

Und das zweite ist eine Serie ist Band of Brothers. Ich habe das Privileg gehabt zwei dieser Veteranen kennenzulernen und sie haben mir eine signierte DVD Serie geschenkt. Die steht noch immer bei mir. Die Serie ist heroisch erzählt, aber eindrucksvoll umgesetzt.

(2:27:25) Drago: Steven Spielberg hat abgeliefert mit dieser Serie.

Gibt es eine Waffe, die du gerne testen würdest?

Andreas: Ich habe die Gelegenheit gehabt schon mit vielen verschiedenen Waffensystemen zu schießen. Spannend fände ich ein Laserschwert. Lachen. An Laserpistolen wird viel herumgebastelt [Entwicklungsarbeit gemacht]. Wenn man Polizisten jedoch fragt, lieber eine Laserpistole, die ganz viel kann – betäuben, töten, mit Visiereinrichtung, Sicherung,… – oder eine klassische Pistole? Dann kommt die Gegenfrage: Hat das Ding eine Batterie? Antwort: Ja. Na dann nicht, ich nehme die Pistole.

Was noch spannend wäre ist die hülsenlose Schusswaffe. Daran wird auch schon geforscht, weil das eine massive Gewichtsersparnis wäre. Oder ein Unterwassergewehr. Das verschießt eigentlich eher Pfeile, also quasi eine verbesserte Harpune. Aber das Laserschwert wäre das coolste.

(2:30:15)  Drago: Hast du eine Lieblingsübung am Schießstand?

Andreas: In der Ausbildung der Erstschuss, weil das eine der wichtigsten Übungen ist. In der Notwehr schießen wir nur einmal mit Wirkung. Lieblingsübung habe ich selber keine. Aber alle Drills bei denen ich mich mit Schützen messen kann, die bei uns lernen. Also wenn der Teilnehmer, meist Fortgeschrittene, sich einen Drill überlegt oder Qualifikationsdrills für Aufnahmetests und sich damit zu messen. Und es ist immer ein gutes Gefühl, wenn du einer Person das Schießen beigebracht hast und die schießt dann besser als du. Wenn man sieht der hat das drauf und hat geübt.

Drago: Wenn der Schüler den Meister überholt.

Andreas: Ja, das ist wirklich ein gutes Gefühl.

15 Abschluss: Was möchtest du Menschen mitgeben?

(2:32:00)  Drago: Meine abschließende Frage ist immer was du jungen Menschen gerne mitgeben möchtest.

Andreas: Ich würde die Antwort gerne in Bezug auf Waffen geben. Erstens, ich glaube, dass die Jugend einen schlechten Ruf genießt, aber nicht bei mir. Die Jugend ist top drauf und die werden das super machen. In Bezug auf Waffen: Sie soll sich damit beschäftigen. Anschauen wie sie funktionieren und was man damit tun kann. Ohne Angst und Aversion. Sich damit auszukennen ist besser als nicht.

Und gleichzeitig, in dem Kontext Sicherheit: Ich glaube, dass wir in einem sehr sicheren Land sind. Wer aufmerksam ist, eine gute Wahrnehmung hat und nicht in Handyspielen hängen bleibt, dem kann nichts passieren.

Auch noch das Thema Videospiele. Das ist ein Blödsinn. Ego-Shooter halte ich für problematisch, besonders für Kinder. Militärische Organisationen nutzen vergleichbare Simulationen gezielt, um Soldaten kriegstauglich zu machen. Das nutzt das Militär, aber das müssen wir nicht zu Hause machen und Kinder ballern lassen. Diese Normalisierung halte ich für eine schlechte und gefährliche Sache. Da sollen sie lieber wirklich am Schießplatz gehen und schießen. Wir arbeiten auch gerade an einem Jugendkurs, in dem wir das niederschwellig zeigen. Aber Jugendlich heißt für mich 15-16 Jahre, keine Kinder. Aber Egoshooter – das könnte man verbieten.

Drago: Also du meinst eher: Such den tatsächlichen Erfahrungsbericht und die reale Erfahrung, anstatt etwas Falsches aufzunehmen.

Andreas: Ja, ich glaub das kindliche Gehirn kann das nicht richtig verarbeiten. Also auch mein Appell an die Eltern: Jugendliche unter Anleitung von jemandem vom Fach den verantwortungsvollen Umgang mit Bogen und Bogen, Armbrust, Luftdruckgewehr und letztendlich auch Schusswaffen zu zeigen ist nichts Wildes. Aber sie dafür nicht diese Videospiele spielen zu lassen.

Drago: Das war ein hervorragendes Gespräch. Ing. Mag. Andreas Steindl, vielen herzlichen Dank, dass du da warst. Ich habe es sehr genossen.

Andreas: Danke für die Einladung in deinen Podcast und für das angenehme Gespräch.

Der gesamte Video-Podcast

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Written by : Katharina Weiss

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